Journalist warnt Priener Mittelschüler vor „Fake News“

„Ist Journalismus immer noch der schönste Beruf der Welt?“ steht auf der Vortragsfolie von Thomas Mrazek aus München, der vor Schülern der achten und neunten Klasse der Franziska-Hager-Mittelschule über Probleme in der heutigen Zeit für seinen Berufsstand und den Umgang mit Wahrheit in den Medien referierte.

 

 

 

Prien – „Heute habe ich mir mal eure Heimatzeitung, das OVB, gekauft!“, sagte Mrazek, der als freier Medienjournalist arbeitet. Als er fragte, wie viele an diesem Morgen schon Zeitung gelesen haben, gingen einige Finger nach oben. Bei der Frage, wer denn kein „Whatsapp“ habe, meldete sich aber niemand mehr.

Mrazek ist seit 25 Jahren im Journalismus und Vorsitzender der „Fachgruppe ,Online" des Bayerischen Journalistenverbandes (BJV). Am Anfang seines Vortrages zitierte er Artikel 5, das „Recht auf freie Meinungsäußerung“, und fragte die Schüler, warum ,,manche Journalisten die Entwicklung mit dem Internet wohl nicht so super finden?“. Eine Schülerantwort: „Wegen den Fake-News.“

Trotz des Artikels im Grundgesetz sei die Pressefreiheit oft eingeschränkt, so Mrazek. Er outete sich als Fan des TSV 1860 München und nannte ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit des Fußball-Zweitligisten: Einer Journalistin wurde untersagt, über den Verein zu berichten, weil sie sich zuvor kritisch geäußert hatte. So etwas gehe in einer Demokratie nicht, stellte Mrazek entschieden fest. Auch er habe als Student schon mal einen Drohbrief erhalten, nachdem er einen Bericht über Rechtsextremismus in einer Münchner Kneipe geschrieben hatte.

Zudem wies er auf den Journalisten Deniz Yücel hin, der derzeit in der Türkei hinter Gittern sitzt. Dem Korrespondenten der „Welt“ wird unter anderem Terrorismuspropaganda vorgeworfen. „In Deutschland sitzt Gott sei Dank kein einziger Journalist wegen seiner Arbeit im Gefängnis“, zog Mrazek den Vergleich.

„Fake News“, manipulierte Nachrichten, existieren nach seiner Feststellung inzwischen zuhauf. Durch soziale Netzwerke verbreiten sich diese in Windeseile im Internet. Mrazek stellte den Jugendlichen die Frage, warum wohl solche Falschmeldungen verbreitet werden.

Die vielen Antworten belegten, dass dieses Thema die Priener Schüler interessierte. Von „Die wollen Geld damit verdienen“ bis zu „den Leuten Angst machen“ reichten die Antworten.

Der Dozent sprach noch über Falschmeldungen zum Thema Flüchtlinge. 2016 seien einige „Fake News“ im Internet verbreitet worden. „So etwas schadet der Glaubwürdigkeit und dem Ruf der echten Journalisten“, kritisierte Mrazek.

Der Dozent rief zur „Selbstreinigung“ auf, um die Problematik zu lösen: Das könnten Journalisten machen, indem sie ihre Kollegen kontrollieren und Dinge hinterfragen. Aber da könnten auch die Schüler selber etwas machen. Sie sollten „kritisches Denken“ an den Tag legen und mehrere Quellen vergleichen und somit eine Nachricht besser prüfen. Auch sollten sie ein „seriöses Medium“ als Quelle nutzen, ermunterte Mrazek seine jungen Zuhörer.

Man sollte keinen „Schmarrn“ ins Internet stellen, erwiderte ein Schüler auf die Frage des stellvertretenden Schulleiters Marcus Hübl, was die Schüler da jetzt selber machen könnten. Der Konrektor wünschte sich, dass „die Schüler den Finger hochheben“ und ihre Verantwortung richtig wahrnehmen.

aus "Chiemgau-Zeitung vom 6. April 2017"